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Bienenwiese

 
Bienenwiesen-Tagebuch

 
29. April 2014
 
Die erste große Hürde ist geschafft, 250 m Bienenwiesenstreifen sind von den Grassoden gesäubert, die der Kultivator zuvor gelockert hatte. Wie auf dem Bild zu sehen
, ist ein für unsere Zwecke umgebauterter Zwiebelschwaber über das Land gefahren und hat die Soden aufgesammelt und zum Kompostplatz gebracht. Wir halten
überhaupt nichts vom Pflügen, die Verrottung unter der Erde ist vollkommen widernatürlich und schädlich für den Boden. Die erhält die natürlichen Horizonte des
Oberbodens und belässt die Bodenlebewesen in ihrem angestammten Lebensraum. Die Maschine unterfährt mit ihren Scharen die Wurzeln, nimmt die Soden auf
und schüttelt die Erde beim Durchlaufen auf einem Sieb aus. Der Boden der Bienenwiese ist etwas besser als sonst auf unserem eiszeitlich geprägtem Geestrücken.
Er ist relativ lehmig. Schwerer zu bearbeiten, dafür aber auch fruchtbarer.
 
 
 
 
 1. Mai 2014

 
Nachdem die der Maschine verloren gegangenen Soden von Hand abgerecht sind, folgt noch eine Bearbeitung mit dem Grubber, dem angehängten Packer und einem Krümler in der Fronthydraulik.
Das Resultat ist ein ganz lockerer Boden in den unsere Schüler die Pflanzlöcher mit der bloßen Hand machen können. Nun muss die Fläche noch eben gerecht werden. Da die Bienenwiese 255 m
lang ist, teilen wir sie in Abschnitte von jeweils 10 m ein, das gibt mit den Wegen zwischen den einzelnen Stücken 24 Abteilungen, die unterschiedlich bepflanzt oder eingesät werden. Wir fangen
mit fünf Reihen an, haben bei einer Gesamtbreite von 3,20 m also 60 cm Abstand zwischen den Reihen und werden so gut das reichlich auflaufende Unkraut bekämpfen können. Das Unkraut
ist das größte Problem bei der Anlage von Blumenwiesen. Ist die Bodenvorbereitung nicht wirklich ganz sorgfältig durchgeführt worden, ersticken die Blumen im Gras. Das kann man von allen
Menschen hören, in allen Berichten lesen, die sich mit dem Thema Blühwiese beschäftigen.

 
5.Mai 2014
 
Um unsere Arbeit auf eine möglichst breite Basis zu stellen, möglichst viele Menschen daran zu beteiligen, haben wir die Schulen vor Ort angeschrieben und Aktionstage vereinbart. Die Schüler
helfen beim Pflanzen und Aussäen mit. Für die ersten Schüler, die zu uns kommen bereiten wir die Pflanzung sorgfältig vor: Es werden die Reihen markiert, was noch nicht bepflanzt oder wo
noch nicht gesät wird, wird mit Brettern bedeckt, damit die lockere Erde von den vielen Kinderfüßen nicht unvorsichtigerweise festgetreten wird.

 
6. Mai 2014

 
Heute kommt die Bienenklasse der Dahlenburger Fürstenwall-Schule. Die Zweitklässler werden von einigen Eltern begleitet, die uns bei der Aufsicht der Aktion tatkräftig unterstützen. Die Schüler haben
im Unterricht Schnüre gemacht, mit Knoten alle 15 cm. Diese werden dann entlang unserer Schnüre gespannt und die Pflanzabstände können ganz exakt eingehalten werden. Man muss sehr darauf
achten, dass genau an der Schnur gepflanzt wird, sonst haben wir es nachher bei der Pflege, sprich beim Arbeiten mit der Radhacke unnötig schwer. Je besser die Linie eingehalten wird, je dichter
können wir an die Kräuter heranfahren, je weniger muss von Hand nachgearbeitet werden. In dem lockeren Boden brauchen wir keine Schaufeln um die Pflanzlöcher zu machen und es ist auch nicht
schwer wenn die Erwachsenen, das eine oder andere Pflänzchen noch etwas zurechtrücken. In einer Stunde haben die ersten drei Gruppen ihre Aufgabe gut erfüllt: 90 Kräuter in Töpfen in die Erde
gebracht, eine 5 m lange Reihe Sonnenblumenkerne und eine ebenso lange Reihe Ackersenf gesät. Nach der Frühstückspause werden sie noch mithelfen einen Totholzhaufen aufzuschichten, der
Unterschlupf für Kleinsäuger wie den Igel bieten kann. Der wird dafür sorgen, dass die Schnecken in erträglichen Grenzen gehalten werden. Nach der Pause kommt der Gruppenwechsel, um halb
zwölf ist die Aktion beendet, die erste Abteilung von 4 m Breite und 10 m Länge bepflanzt. Ein großes Dankeschön an die Bienenklasse.

 
7. Mai 2014

 
Leider ist das Wetter etwas durchwachsen, immer wieder fallen Regenschauer. Bei der Begrüßung der Kinder der Dachsklasse weise ich darauf hin, dass von den 60 Kräutern, die wir hier säen und pflanzen
in der Vergangenheit 59 als Heilkräuter gebraucht wurden. Ich hatte die Kräuter erst einmal nach ihrer Eignung als gute Trachtpflanzen für die Bienen ausgesucht, bei näherem Anschauen fiel mir die
Parallele zu den Heilpflanzen auf. Die Lehrerinnen haben in der Vorbereitung auf dieses Projekt den Kindern schon einiges an Wissen über die Bienen beigebracht, dieser Aspekt war auch Ihnen neu.
Es ist sicherlich etwas anderes wenn Bienen den Nektar von urwüchsigen, heilkräftigen Pflanzen aufnehmen als den von hochgezüchteten und oft überdüngten Kulturpflanzen.
 
 
8. Mai 2014

 
Als letzte Dahlenburger Schulklasse kommen die "Ameisen" zu uns. Wie gestern schon wird Tom Mitschke, der 1. Vorsitzende der Lüneburger Kreisgruppe des NABU und Wildbienenexperte,
die Betreuung der Kinder übernehmen, die gerade nicht pflanzen. Sie erfahren von ihm vieles über Wildbienen und andere Tiere in Wald und Flur. Er holt mit ihnen Steine aus dem Wald und
vom Feld und beginnt einen Steinhaufen aufzuschichten, der Lebensraum bieten wird für Blindschleichen, Frösche, Eidechsen und vielleicht auch für das Mauswiesel, das die Mäusepopulation
auf dem Acker in Grenzen halten soll. Wir pflanzen heute die letzten vorgezogenen Margeriten, der Rest der Samen wird etwas später direkt gesät.
 
 
15. Mai 2014
 
Das schlechte Wetter und der viele Regen sind den kleinen Pflänzchen nicht gut bekommen. Die Schnecken hatten 24 Stunden am Tag Zeit, sich ihren Teil an den Bienenpflanzen zu holen. Interessant
zu sehen, dass sie alles Schwächelnde und Kranke weggefressen haben, die kräftigen, gesunden Pflanzen aber verschont blieben. Der Schaden lässt sicht sich also durch Nachpflanzen relativ schnell wieder beheben.

 
16. Mai 2014

 
Heute kommen zwei dritte Klassen aus Barskamp. Der Boden ist noch sehr nass und damit längst nicht so locker wie letzte Woche, die Schüler sollen darum heute nur säen. Für so kleine Kinder eignen sich
besonders gut die großen Samen.Lupinen, Sonnenblumen, Ringelblumen werden zu exakt je zwei Pflanzen pro Knoten an unserer Schur in die Erde gelegt. Kurze Kontrolle ob alles richtig ist, dann wird die
Reihe von einem Erwachsenen zugeharkt. Die Samenkörner des Ackersenf eignen sich auch, sie werden mit etwas Sand vermischt und da sie hell sind können die Kinder sie gut dosieren. Bei den dunklen
Samenkörnern des Salbei funktioniert das nicht so reibungslos, die Vorräte, die für 50 m Saatreihe gedacht waren, reichen gerade mal für zwei Abteilungen. Unter den Betreuern waren heute
unser Dahlenburger Samtgemeindebürgermeister Herr Maltzan, der unsere Saatgutkosten aus der Gemeindekasse kräftig bezuschusst hat und unser Dahlenburger Bürgermeister Herr Rambusch. Die Presse
war auch da und Frau Kiriczi von der Landeszeitung wird sicher einen schönen Bericht über unsere Aktion schreiben. Herzlich danken möchte ich auch Imker Eugen, der den Teil der Gruppe, der nicht
gesät hat, mit interessanten Ausführungen über das Leben der Bienen unterhalten konnte. Ganz toll fanden die Kinder auch, dass sie Honig direkt aus der Wabe kosten konnten und dabei den unterschiedlichen
Geschmack von Frühjahrs- und Sommertracht kennen lernten.

 
Von Schnecken, Schafen, Starkregen
 
Kaum hatten die Schüler die kleinen Töpfchen mit den Wildstauden in die Erde gebracht, setzten heftige Regengüsse ein und lockten die Schnecken von allen Seiten hervor. Dutzende machten sich über
alles her, was scheinbar nicht auf den Acker gehörte. Bei den Margeriten fraßen sie, was noch klein und schwach war, die kräftigen Pflanzen ließen sie aber stehen. Die Moschus-Malven rührten sie
dagegen gar nicht an, das Leimkraut auch nicht. Was würde aus den Sonnenblumen werden, wenn sie keimten? Machte es Sinn die Schnecken abzusammeln und weit weg woanders auszusetzen?
Wir haben sechs Hektar Wiese rings herum, ein Dorado für Schnecken, es würden immer wieder neue nachkommen. Schneckenkorn empfahl man uns, aber andere Lebewesen abzutöten, um
unsere Pflanzen zu schützen, widersprach unserem Ziel, zwischen der Anlage unserer Fläche mit Wildkräutern und Kulturstauden und der Umgebung eine natürliche Balance zuzulassen. Natürlich
konnten wir dem Ansturm von Schnecken nicht tatenlos zusehen und testeten verschiedene Gegenmaßnahmen: Ein im Versandhandel bestellter Schneckenzaun aus Kupferdraht – für 1 Euro pro
laufendem Meter – bewährte sich nicht. War der Draht nicht mehr blank, sondern durch aufspritzendes Regenwasser verschmutzt, stellte er für die Schnecken kein Hindernis mehr dar.
Frischer Grasschnitt wirkt als Ablenkungsfutter. Ganz dünn ausgestreut fressen die Schnecken ihn mit Vorliebe und verschonen die Kulturpflanzen. Zu dick aufgebracht, können sich die Tiere aber darunter
verkriechen. Das Verfahren ist etwas mühsam, wirkt aber gleichzeitig als guter Mulch, der dem Boden zu mehr Humus verhilft.
Die Schäferin Andrea gab uns den Tipp, Holzasche um die Beete zu streuen oder auch Getreidekleie. Beides würde jedoch nur funktionieren solange es nicht regnet und müsste danach wieder erneuert
werden. Mit der Holzasche ging es hervorragend, doch bei dem schlechten Wetter Anfang Mai waren die Vorräte bald aufgebraucht. Wir hatten das gute Gefühl nicht nur eine Weile den Schnecken getrotzt
zu haben, sondern auch den Boden mit einer ganzen Anzahl wichtiger Mineralstoffe versorgt zu haben.
Danach besorgten wir in der nicht weit entfernten „Wassermühle“, einem Landhandel, einen großen Sack Weizenkleie. Rings um die Beete gestreut, bot sich bald ein seltsames Bild: Scharen von
Schnecken kamen herangekrochen und labten sich an dem Getreide, ohne über den kleinen, von uns aufgeschütteten Wall zu kriechen. Selbst nach dem Regen blieb das noch eine ganze Weile so.
Bei den vielen Versuchen hatten wir eine ganze Menge Zeit für unsere Pflänzchen gewonnen. Sind sie erst einmal angewachsen, werden sie nicht mehr gefressen. Die meisten jedenfalls. Von denen,
die stehen geblieben sind, werden wir den Samen zur eigenen Vermehrung nutzen und wir werden am Ende der Saison eine Liste zusammenstellen können, in der die Wildkräuter nach einem „Schnecken-
Gefährdungsgrad“ eingestuft werden. Vielleicht sind diese Erfahrungswerte dann auch für andere hilfreich, die die Anlage einer Blühfläche planen.
Auch wenn wir erhebliche Verluste erlitten hatten, waren wir durch den Umgang mit dem Schneckenproblem auch ein ganzes Stück weiter gekommen und wussten jetzt, wie man „Mutter Natur“ überliste
n kann. Der nächste Rückschlag kam nach einem Gewitter mit Starkregen am Pfingstsonntag. Die Schafe, die dicht neben der Bienenwiese weideten, waren ausgebrochen. Eine komplette Seite des Zaunes
lag auf den Beeten, der Ausbruch war also mutwillig provoziert. Der Bock hatte sich im Zaun verfangen, die kleine Herde fraß genüsslich an unseren Blumen. Nachdem der Bock aus seiner Notlage befreit war,
zogen die Schafe von der Blumenwiese ab. In der Abenddämmerung ließ sich das Ausmaß des Schadens nur abschätzen. Viele der größeren Stauden waren heruntergefressen und in dem aufgeweichten
Boden hatten die Klauen tiefe Spuren hinterlassen so dass von der neuen Saat nicht mehr viel übrig geblieben zu sein schien.
Den Dämpfer, den uns diese Ereignisse gaben, haben wir dahingehend interpretiert, nicht genügend auf die Bedürfnisse des Ackers eingangen zu sein. Jetzt, drei Wochen später, hat sich auch schon
manches allmählich wieder reguliert. Die abgefressenen Blätter sind dabei nachzuwachsen und selbst von den verloren geglaubten Sämlingen arbeitet sich mancher wieder ans Licht.
 
Einen Monat weiter:

Erste Blüten zeigen sich jetzt an den weißen Lichtnelken. Unsere Konzeption hat sich nun dahingehend verändert, dass wir vorgezogene Wildpflanzen mit weiten Abständen in der Reihe pflanzen

und dazwischen Platz lassen für die Spontanvegation. Wir sind hier nur insoweit selektiv als wir sämtliche Gräser jäten. Gras gibt es genug ringsum. Das Land haben wir in vier Meter breite

und zehn Meter lange Abschnitte eingeteilt, soviel lässt sich gut an einem Tag ordentlich bearbeiten. Von den Gestirnskonstellationen abhängig, haben wir auf den einzelnen Abschnitten

ganz unterschiedliche Spontanvegation. Auf dem Bild rechts sieht man, dass auf dem ganzen Abschnitt ein einheitlicher Bewuchs von Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) aufgetreten ist,

das wir auch zwischen den Reihen nicht weghacken. Man kann das Kraut in der Küche verwenden und es ist auch als Heilmittel bekannt. Die Sonnenblumen werden sich nicht sonderlich

stören lassen. Ein kleines Stück weiter, ein total anderes Bild: Eine bunte Vielfalt an Kräutern, die wir sich entwickeln lassen werden und wohl nur bei der Winde ab und zu mal die längsten

 
 
Im Juni
 
Trotz aller Widrigkeiten entwickelt sich die Bienenwiese prächtig und zeigt sich ab Juni in voller Blüte. Vieles nicht ausgesäte kommt in den Reihen zum Vorschein.
 
 
 
 
 
 
 
 
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