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Bienenwiese

 

 

1.       Vorwort

2.       Das Besondere des Obstbaums

3.       Die Entwicklung

3.1.    Die ersten Jahre

3.2.    Ertragsalter

3.3.    Der alte Baum

3.4.    Der kranke Baum

3.5.    Der Oeschbergbaum

4.       Die Partner

4.1.    Bienen, Schmetterlinge, Vögel

4.2.    Blumen

4.3.    Sträucher

5.       Mehrarbeit?

 

Vorwort

Nur mit wenigen anderen Gewächsen im Garten verbindet man sich so wie mit den Obstbäumen. Im Frühjahr gehören sie zu den ersten, die mit ihrer prächtigen Blütenfülle anzeigen, dass der Winter endgültig vorüber ist, im Sommer findet man unter ihnen immer ein schattiges Plätzchen und nicht zuletzt ist es dann die reiche Kirsch-, Pflaumen-, Birnen- oder Apfelernte in den späteren Monaten, die die Obstbäume von den anderen Gartenpflanzen abhebt

Das Besondere des Obstbaums

Ein Obstbaum ist ganz stark vom Menschen geprägt, denn durch die Veredelung ist er kein natürliches Geschöpf mehr. Zwei Pflanzen fügt man in der Baumschule zu einem neuen Wesen zusammen: zum einen die Unterlage, die die Stärke des Wachstums beeinflusst, zum anderen die Edelsorte, die die Art der Früchte bestimmt. Hieraus ergeben sich sehr viele Kombinationsmöglichkeiten, ein Apfel der Sorte „Gravensteiner“ kann sowohl auf ganz kleinen Bäumen wachsen, wie man sie in den modernen Obstplantagen findet, oder auf einer stark wachsenden Unterlage und sehr groß werden. Als der Selbstversorger-Obstbau noch eine größere Bedeutung hatte, konnte man sowohl passende Unterlagen für verschiedene Bodenarten bekommen, als auch zwischen den verschiedensten Baumhöhen von 2 Metern bis 15 Metern wählen. Es gab auch eine viel reichhaltigere Auswahl an Obstsorten als heute.

Als Faustregel gilt: Je kleiner der Baum wächst, desto kurzlebiger ist er und desto mehr Pflege in Form von Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz braucht er. Die kleinen Plantagenbäume werden meist schon nach 10 – 12 Jahren wieder gerodet und meist einmal pro Woche mit Mitteln gegen Pilzkrankheiten oder gegen Schadinsekten behandelt. Man kann sie aber leicht ernten. Hochstämmige, starkwüchsige Bäume, mit bewährten Sorten veredelt, kommen, in einer ökologisch intakten Umgebung, ohne so aufwendige Pflege zurecht und bringen über Jahrzehnte gute Erträge äußerst geschmackvoller Früchte. Die Schwierigkeit ist nur, dass sich die Ernte nicht mechanisieren lässt und deshalb nicht wirtschaftlich ist.

Die Entwicklung Die ersten Jahre

Anders als bei Ziergehölzen, die man sich frei entfalten lässt, wird der junge Obstbaum von der Pflanzung bis ins Alter hinein ständig vom Menschen gepflegt. Schon beim ersten Schnitt, dem so genannten Erziehungsschnitt wird festgelegt, wie sich der Baum in Zukunft entwickeln wird. Die Krone soll so aufgebaut werden, dass alle Bereiche gut besonnt sind, man möglichst wenig Schattenfrüchte erntet. Man sorgt auch gleich dafür, dass man Gassen freihält, in die später die Leiter gestellt werden kann, damit man auch wirklich alles Obst pflücken kann. Der Jungbaum wird in den ersten fünf Jahren jährlich geschnitten, später wird das weniger. Auch die starkwüchsigen Hochstämme sind in der Anfangsphase ihrer Entwicklung, außer in verregneten Sommer, auf Bewässerung angewiesen. Erst wenn sie ihr weitreichendes Wurzelwerk genügend entwickelt haben, nach zwei, drei Jahren, ist das nicht mehr nötig. Auf Blattläuse muss man in trockenen Sommern achten: Sie können den ganzen Neuaustrieb schädigen. Meist reicht es sie mit einem scharfen Wasserstrahl abzuspritzen, noch wirkungsvoller ist es, sie mit der Hand abzustreifen. Eine Baumscheibe ist für alle Jungbäume von Vorteil, also ein Bereich, der von Grasbewuchs freigehalten wird. Der dichte Wurzelteppich der Gräser nimmt den Großteil der Niederschläge auf und zehrt am Boden. Man kann die Baumscheibe aber mit Blütenstauden bepflanzen, wie später beschrieben.

 

Ertragsalter

 

 

Die moderne Apfelsortenzüchtung orientiert sich ganz am Weltmarkt und hat Haltbarkeit, Transportfähigkeit und gutes Aussehen als Zuchtziel und nicht Gesundheit und Wohlgeschmack. Sie züchtet nur mit wenigen Sorten als Ausgangsmaterial, die allesamt für Pilzkrankheiten anfällig sind. Will man wirklich geschmackvolle und gesunde Früchte ernten, sollte man auf die alten Sorten und den Hochstammanbau ausweichen. Noch sind es nur wenige Baumschulen, die das kulturelle Erbe der früher zahlreichen Lokal- und überregional verbreiteten Obstsorten wieder vermehren. Immer mehr Verbraucher sind aber unzufrieden mit der Ware aus dem Supermarkt, denn es ist kein Geheimnis mehr, dass die tadellos aussehenden Früchte nur durch eine Vielzahl Anwendungen von giftigen Spritzmitteln zustande gekommen sind.

 

Dauert die Jugendphase bei den kleinen Baumformen nur zwei bis drei Jahre, kommen die Hochstämme erst mit frühestens sieben Jahren in das Ertragsalter, je nach Sorte auch noch später. Jetzt muss nicht mehr so häufig geschnitten werden, man muss aber die Überbauung der Krone verhindern. Was bedeutet das? Jeder Baum wächst in den höheren Partien stärker als in den unteren Partien. Greift der Mensch nicht korrigierend ein, beschatten die oberen Äste die unteren und die Fruchtbildung beschränkt sich bei diesen bald nur noch auf die Peripherie. Ein Schnitt im ca. dreijährigen Turnus, der das Wachstum des oberen Kronenteils zurücknimmt und somit für mehr Licht im unteren Teil sorgt, ist daher anzuraten. So wird auch das übermäßige Höhenwachstum begrenzt und die Ernte erleichtert. Brauchen die kleinen Baumformen auf jeden Fall eine regelmäßige Düngung, sonst gedeihen sie gar nicht, ist es auch für den Hochstamm angeraten einen möglichst großen Bereich um den Stamm herum von Grasbewuchs freizuhalten und den Boden mit einer organischen Düngung von Zeit zu Zeit zu beleben. Besonders wenn man Tafelobst ernten will.

Der alte Baum

 

Ein gut gepflegter Apfelhochstamm kann 100 Jahre alt werden, Birnen noch älter, Kirschen 80 und Pflaumen 60 Jahre. Immer wieder finden sich in Gärten solch alte Bäume, zum Teil auch Sorten, die sich nicht bestimmen lassen. Von den Gartenbesitzern aber wegen ihres einzigartigen Geschmackes hoch gelobt werden. Das Problem der alten Bäume ist oft, dass sie zum Lebensende hin sehr viele Früchte tragen. Meist eher klein und nicht so ansehnlich, aber häufig so viel, dass ganze Astpartien ausbrechen, wenn nicht rechtzeitig und wirkungsvoll abgestützt wird. Diese großen Wunden sind dann meist das Todesurteil für den Baum. Hier kann aber vorgesorgt werden indem man die Krone verkleinert, überhängende Äste zurücknimmt, hohle oder angebrochene Hauptäste entlastet. Trockenes Astwerk muss nicht entfernt werden, die vielen kleinen Löcher, die man in ihnen findet, deuten auf Wildbienen hin, die hier ihre Brutnester angelegt haben. Vielen Bäumen kann man das Leben um gute zehn Jahre verlängern, wenn die oben genannten Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Gut bewährt hat sich eine Düngung mit Rindermist, hier ist es die bodenbelebende Wirkung, nicht so sehr der Stickstoff, was zählt. Die Düngung lässt sich entweder durch Ausstechen kleiner Löcher in der Grasnarbe durchführen, die mit pelletiertem Rinderdung verfüllt werden. Oder, deutlich aufwändiger, aber auch wirkungsvoller, durch Ausheben eines Grabens im Bereich der Kronentraufe, dort wo die äußersten Astspitzen enden. Der Graben wird dann mit kompostiertem Rindermist aufgefüllt. Im Frühjahr durchgeführt, zeigt sich meist schon Ende des Sommers ein kräftiger Neutrieb.

Durch Veredelung des alten Baumes auf eine neue Unterlage lassen sich seine eventuell einzigartigen Eigenschaften auch über das Absterben hinaus erhalten. Entweder im Hochsommer durch Augenveredelung, oder aber im Frühjahr werden geeignete Triebe auf junge Bäume gepfropft. Es dauert dann zwar einige Jahre bis mit den ersten Erträgen gerechnet werden kann, aber die Sorte ist erhalten. Und damit ist auch ein Genpool bewahrt für eine Neuzüchtung von Sorten, die Geschmack und Gesundheit als Maxime hat.

 

Der kranke Baum

 

Es sind fast immer Fehler des Menschen, die Bäume krank werden lassen. Zu nennen sind:

·         Falsche Sortenwahl – Die ausgezeichnete Tafelsorte Williams Christ Birne gedeiht wunderbar im Weinbauklima Baden Würtembergs, im Norddeutschen Tiefland erntet man auch von einem größeren Baum nur ein paar unansehnliche Früchte. Man sollte nur Sorten anpflanzen, die in dem Gebiet seit langem bewährt sind.

·         Falsche Herkunftsbaumschule – In den Agrarländern Südeuropas lassen sich Obstbäume viel billiger produzieren als in Deutschland und werden dann hier vom Versandhandel angeboten. Im Niedersächsischen Garten gepflanzt, versagen sie oft auf der ganzen Linie. Selbst die Bäume, die im Hamburger Umland mit seinen schweren Lehmböden gezogen wurden, haben lange Zeit erhebliche Schwierigkeiten wenn sie auf Sand weiter wachsen sollen. Wichtiger als Düngung ist die Zugabe von Lehm, Ton oder, käuflich zu erwerben, Bentonit ins Pflanzloch.

·         Zu enger Stand – Ein hochstämmiger Apfelbaum breitet seine Äste ca. fünf Meter in jede Richtung aus. Zwischen zwei Bäumen muss man also mindestens zehn Meter Abstand lassen damit sie nicht ineinander wachsen. Nur wenn das Innere des Baumes luft- und lichtdurchlässig ist, braucht man sich keine Sorgen wegen Pilzkrankheiten zu machen. Sicherlich gibt es allerlei Mittelchelchen gegen Monilia, Rost und Mehltau. Solange die Ursachen des Befalls aber nicht behoben sind, kostet die Anwendung nur Geld und Zeit und hilft nichts. Bis die Bäume größer sind, kann man den Raum z.B. mit Beerensträuchern bestellen.

·         Konkurrenz durch Sträucher – Im Hausgarten ist die Bepflanzung oft zu dicht und Sträucher bedrängen die Obstbäume im Wurzelraum. Die starken Baumwurzeln, die in die Tiefe wachsen, geben dem Baum zum einen Halt, zum anderen sorgen sie für die Wasseraufnahme. Sie erschließen dem Baum auch Mineralstoffe aus den unteren Bodenschichten. Was aber zum jährlichen Aufbau des Blattwerks, der Neutriebe und Früchte an Nährstoffen gebraucht wird, stammt aus dem humosen Oberboden und wird von oberflächennahen Wurzeln aufgenommen und in das Pflanzeninnere transportiert. Hier machen sich der zu eng gepflanzte Strauch und der Baum Konkurrenz. Verträgt sich das Obstgehölz mit Holunder, Liguster und Beerensträuchern noch ganz gut, sie haben weitreichende Wurzeln, sind Deutzien, Haselnuss und der Bauernjasmin mit ihren kompakten Wurzelballen sehr abträglich für das Gedeihen des Baumes, vor allem wenn er von mehreren bedrängt wird.

·         Falscher Schnitt – Das Hauptgesetz im Pflanzenbau ist das Gesetz der Spitzenförderung und beinhaltet, dass das Wachstum einer Pflanze an der Spitze immer am größten ist. Jeder Laub- oder Nadelbaum, solange er noch wächst, hat ganz eindeutig einen Trieb, der höher wächst als die anderen, genau in der Verlängerung des Hauptstammes. Einer der schwerwiegendsten Fehler beim Baumschnitt ist es, diese Spitze herauszuschneiden. „Weil man da oben ohnehin keine Früchte mehr ernten kann“, ist meist die Begründung. Der ganze Baum kommt aus dem Gleichgewicht, treibt jetzt an verschiedenen Stellen eine Vielzahl von steil aufrecht wachsenden so genannten Wasserreisern. Es dauert Jahre, bis das wieder korrigiert ist. Schädlich ist auch der zu starke Schnitt im unteren Kronenbereich. „Man muss einen Hut durch den Baum werfen können“ ist ein Spruch, den wohl jeder kennt, der aber erst bei älteren Bäumen einen gewissen Sinn macht, beim Jungbaum völlig falsch ist. Nicht sofort sichtbar sind Schäden, die durch heraussägen von zu starken Ästen, verbunden mit falscher Schnittführung entstehen. Sie sind dann dafür verantwortlich, dass ein Apfelbaum schon mit fünfzig Jahren Schäden am Holzkörper haben wird.

 

Der hier meist „Plantagenbaum“ genannte Spindelbusch, der heute weltweit die Obstanbauflächen beherrscht, ist selbst Ausdruck eines Eingriffs in die Natur einer Pflanze aus dem nur krankmachendes hervorgehen kann. Auf der Suche nach Veredelungsunterlagen, die möglichst klein bleiben, entwickelte man einen Typ, der nur über ein ganz schwaches Wurzelwerk verfügt. Es ist so wenig ausgebildet, dass der Spindelbusch sich nicht selbst halten kann, zeitlebens einen Pfahl als Stütze braucht. Es kann zwar oberflächennah Nährstoffe erschließen, kann aber keine Mineralien aus tieferen Bodenschichten holen. Diese, wie auch Wasser, müssen regelmäßig zugeführt werden. Der  Spindelbusch trägt aber früh und reichlich Früchte, ist jedoch schon nach zehn Jahren so erschöpft, dass die Erträge einbrechen. Es ist nicht verwunderlich, dass solch ein Wesen keine Abwehrkräfte gegen Krankheiten entwickeln kann. Durch die vegetative Vermehrung, die in allen Einzelheiten die Eigenschaften der Mutterpflanze kopiert, wurde dieser Typus in der ganzen Welt verbreitet.

 

 

 

 

 

 

 

·         Veredelungsstelle bewurzelt sich – Treiben eigentlich kleinwüchsige Bäume viel stärker aus als in den Jahren zuvor, hat sich die Veredelungsstelle bewurzelt. Man muss dann diese als wulstartige Verdickung am Stammfüß erkennbare Stelle von der Erde befreien und den neugebildeten Wurzelkranz absägen.

Der Oeschbergbaum

 

Bereits weiter oben wurde darauf hingewiesen, dass nur bei Anbau der starkwüchsigen Hochstämme Tafelobst produziert werden kann, das man nicht chemisch behandeln muss. Schon in den 1930 er Jahren hat ein Schweizer Professor für Obstbau eine Methode entwickelt, diese großen Obstbäume so zu erziehen, dass sie auch noch im Alter zu ernten sind. Diese, nach der Obstbauschule an der Professor Spreng lehrte, Oeschbergmethode genannt, konnte sich gegen den Plantagenanbau aber nicht durchsetzen. Der Bielefelder Pomologe Hans Joachim Bannier und der Agraringenieur Michael Grolm haben in den letzten Jahren diese Methode weiter entwickelt und pädagogisch aufbereitet, so dass sie jetzt von jedem Interessierten erlernt werden kann.

 

Wenn man für seine Familie ungespritztes Obst bekommen möchte, geht das eigentlich nur im Selbstversorgeranbau. Auch die biologischen Betriebe wirtschaften zum überwiegenden Teil mit den kleinen Plantagenbäumen und haben Probleme mit Pilzkrankheiten und tierischen Schädlingen. Die vom Gesetzgeber erlaubten Gifte bauen sich schneller ab und sind weniger umweltschädlich, aber es bleiben Gifte. Kein biologischer Obstbauer ist damit zufrieden, aber die Kunden verlangen makelloses Obst. Verschiedene Versuche den Oeschbergschnitt populär zu machen und so von den Giften wegzukommen, wie z. B. durch Helmut Palmer aus dem schwäbischen Remstal und später seiner Schüler ab der Mitte des letzten Jahrhunderts, erreichten nur die Freizeitbauern.

Das Prinzip dabei ist, dass man den Baum mehr in die Breite und nicht so sehr in die Höhe wachsen lässt. Neben dem Hauptstamm erzieht man, gleichmäßig verteilt, vier Leitäste an denen die Fruchtbildung stattfinden soll. Das Höhenwachstum des Hauptstammes wird von Anfang an dadurch verringert, dass der Trieb nicht senkrecht hoch steigt, sondern durch entsprechende Schnittmaßnahmen geschlängelt emporwächst und dadurch den Wuchs bremst. Da die Leitäste weit ausladend sind, können sich an ihnen mehr Triebe bilden als an herkömmlich erzogenen Bäumen, was ebenfalls den Höhenwuchs verringert. Kritiker dieser Methode bemängeln, dass sich der Oeschbergbaum nicht natürlich entwickeln kann und auch, dass der Arbeitsaufwand für den Schnitt höher ist als bei herkömmlich erzogenen Bäumen. Wie schon ganz zu Anfang dieses Heftchens gesagt, ist ein Obstbaum in keinem Fall etwas Natürliches, ist immer vom Menschen beeinflusst. Viele Jahrzehnte alte Obstbäume in der Schweiz und in Süddeutschland, die nach dieser Methode erzogen wurden, sind genau so vital und gesund wie Bäume, die anders geschnitten worden sind. Der Unterschied ist aber der, dass von ihnen auch nach fünfzig Jahren noch Tafelobst geerntet werden kann, während man einen Großteil der Früchte anderer Bäume nur abschütteln und somit nur als Wirtschaftsobst verwerten kann, weil man sie in der Höhe nicht mehr pflücken kann. Sicher ist der Arbeitsaufwand beim Oeschbergschnitt höher als bei anderen Methoden, aber der Nutzen eben auch.

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Bienen, Schmetterlinge, Vögel

 

Untrennbar mit dem Obstbaum verbunden sind die Bienen. Eine reiche Ernte ohne sie ist gar nicht möglich. Aber auch ihre wild lebenden Verwandten, die Hummeln und die Wildbienen tragen einen erheblichen Beitrag zur Bestäubung der Blüten bei und sind wichtige Partner der Bäume. Besonders bei kühlen Wetter während der Blütezeit sind es die Hummeln, die die Pollen von einem Baum zum anderen tragen. Schon bei Temperaturen ab sieben Grad Celsius können sie, dank ihrer pelzigen Haut, bereits fliegen. Für die Bienen müssen es mindestens zwölf Grad sein.

Auch Wildbienen, die in der Regel keine Völker bilden, sondern einzeln leben, tragen zur Bestäubung bei. Sie sind meist eher unscheinbar, aber es kommen bei uns einige hundert Arten vor. An Stellen, der von Pflanzenwuchs frei ist, graben verschiedene Arten von Sandbienen ihr Nest. Die kleinen Löcher im Totholz an alten Bäumen besiedeln z. B. die Garten-Wollbiene, die Blattschneiderbiene und die Blauschwarze Holzbiene um nur die bekannteren zu nennen. Sonnige Lehmwände werden unter anderem von diversen Mauerbienen bevölkert. Finden sie genügend Plätze für ihren Nestbau und Nahrung an Blumen und Gehölzen, können sie vor allem bei regnerischen oder kühlen Witterungsverhältnissen während der Blütezeit der Obstbäume, wenn die Honigbienen nicht fliegen können, helfen die Ernte zu retten. Mindestens sechs Mal muss die einzelne Obstblüte erfolgreich von einem Bestäuberinsekt besucht worden sein, damit sich eine schöne Frucht ausbilden kann.

Die Honigbiene hat die Eigenschaft bei einem Ausflug um Honig zu sammeln immer nur Blüten einer bestimmten Art anzufliegen. Nur Apfelbäume, nur Birnen oder nur Raps. Diese so genannte Blütenstetigkeit macht ihre Bestäubungsleistung so effektiv, weil der Apfelpollen, den sie beim Nektarsammeln mitnimmt auch zu 100 % wieder auf einen Apfelbaum gebracht wird und dort die Blüten befruchten kann. Nicht nur die Varroa-Milbe setzt den Bienen stark zu, Gifte aus der Landwirtschaft, besonders eine neue Generation von Pestiziden, die Neo-Nicotinoide, fordern jährlich hohe Verluste bei den Bienenvölkern. Dazu kommt noch die weiter fortschreitende Verarmung der Wiesensäume. Blütenpflanzen werden von den Gräsern immer weiter zurückgedrängt, als Folge zu intensiver Düngung. Auf dem Lande findet sich nach der Lindenblüte gegen Mitte Juli kaum noch Tracht, in der Stadt geht es den Bienen durch die blühenden Vorstadtgärten etwas besser. Immerhin gibt es seit kurzem ein erstes Umdenken, Landwirte bekommen die Anlage von Blühstreifen gefördert, in Städten sät man an Straßenrändern oder in Parks Blumenmischungen aus, die Nahrung für die honigsaugenden Insekten bieten.

Auch jeder Besitzer eines Obstbaums sollte sich überlegen, ob er nicht für die Leistung, die die Bienen bei der Bestäubung vollbringen, etwas zurückgeben sollte. Freiwachsende Blühsträucher als Randbepflanzung statt der streng geschnittenen Hecke oder ein Beet mit blühenden Blumen. Kombiniert man einen Bodendecker, wie den Rosa-Storchschnabel geschickt mit Sommermargeriten, Phlox und verschiedenen Astern, kann man ein ganz pflegeleichtes kleines Biotop schaffen, das Nahrung für die Honigsammlerinnen von Juni bis in den Herbst bietet.

Ein Obstbaum beherbergt eine ganze Reihe verschiedene Insekten, Spinnen und Käfer. Nützlinge wie auch Schädlinge in ziemlich ausgeglichenem Verhältnis und, das macht den größten Teil aus, solche die vom menschlichen Standpunkt weder nützen noch schaden. So muss man die Schmetterlinge ziemlich differenziert betrachten. Bei der Bestäubung der Obstblüten sind sie nicht anzutreffen, eine ganze Reihe sind von ihnen sind aber für Schäden an den Früchten und den Trieben verantwortlich. Erst im Herbst trifft man wieder auf die harmlosen unter ihnen, die in prächtige Farben gekleidet, helfen das Fallobst zu verwerten. In einem funktionierenden Biotop wird aber kein sogenannter Schädling zum Problem, die wenigen Äpfel die vermadet sind, ein paar geschädigte Blütenknospen lassen sich immer verschmerzen. Denn andere Partner unserer Bäume sind auf alle diese Kerbtiere für ihre Ernährung und die Aufzucht der Jungen angewiesen: Die Vögel.

Sie suchen die Blätter nach Schmetterlingsmaden ab, oder wie der Baumläufer, der Specht und der Kleiber die Rinde. Fressen Schädlinge, Nützlinge und neutrale Arten. Ein Meisenpäarchen und die zwei Generationen Junge, die es aufzieht, vertilgen im Laufe des Sommers bis zu einem Zentner Blattläuse. Dabei wird auch mancher Marienkäfer, selbst eifriger Blattlausjäger, darunter sein, das gehört zum natürlichen Kreislauf. Fatal ist es nur, wenn der Mensch mit der Giftspritze eingreift und damit die Läuse abtötet. Dann besteht die Gefahr, dass die noch nicht heruntergefallenen Insekten von den Vögeln aufgepickt und an die Jungen verfüttert werden. Das kann ganz schnell den Tod für die Küken bedeuten.

Um Vögel an den Garten zu binden ist das Aufhängen von Nistkästen eine Möglichkeit, eine andere ein größeres dichtes Gebüsch, möglichst mit fruchttragenden Gehölzen. Die maßvolle Winterfütterung bei einer dichten Schneedecke und sehr kalten Temperaturen eine dritte.

 

Blumen

 

Spenden die Obstbäume auch reichlich Nektar und Pollen und somit „Treibstoff“ und „Aufbaufutter“ für ihre Partner aus der Insektenwelt, so doch zeitlich nur sehr begrenzt. Sollen die Bienen und ihre wildlebenden Verwandten dauerhaft versorgt sein, braucht es Blumen und Gehölze, die vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst ein möglichst durchgängiges „Trachtband“ bereitstellen. Also Nahrung für die Insekten liefern.

Beginnen wir mit den Blumen: Schneeglöckchen und Krokusse werden schon während der ersten kurzen warmen Mittagsstunden von den Bienen und den jungen Hummelköniginnen beflogen. Hat man verschiedene Sorten der Zwiebelblüher, lässt sich die Beobachtung machen, dass sie unterschiedlich stark frequentiert sind. Im Allgemeinen gilt für sie und alle anderen Pflanzen: Je stärker sie züchterisch beeinflusst sind (Großblumigkeit, farbliche Veränderungen an Blüten und Blättern), desto weniger Nektar und Pollen spenden sie. Sind die Blüten gar gefüllt, die Staubgefäße also in Blütenblätter umgewandelt, sind sie als Nahrungsquelle vollkommen unbrauchbar. Die hohen Dahlien sind so ein Beispiel für Blumen, die zwar schön aussehen mögen, ökologisch aber kaum einen Wert haben. Der Nektarfluss in den Pflanzen ist Tageszeit abhängig, oft fließt er bei den höchsten Temperaturen um die Mittagszeit am stärksten, manche Blumen sind aber auch sehr eigen. Beim Buchweizen z. B. herrscht reger Bienenflug nur in den frühen Morgenstunden. Auf der Internetseite www.obstbau-umd-gartenbau.de finden Sie unten links auf der Startseite einen Link zu einer Tabelle, die über 400 gute Bienenpflanzen auflistet. Mit Angaben über die Blütezeit, den Gehalt an Honig und Pollen und, für diejenigen die selber aussäen, Angaben über Keimeigenschaften. Unter ihnen sind auch viele Wildstauden, die weniger im Garten kultiviert werden, aber gerade für die Wildbienen besonders interessant sind.

Sträucher

 

Die meisten heimischen Bäume sind gute Pollenspender und werden im Frühjahr stark beflogen wenn die Bienen viel Brut aufzuziehen haben. Für den Siedlungsgarten sind sie aber meist zu groß. Anders die Sträucher. Sie sind nicht nur für die Insekten interessant, sondern auch für die Vögel, bieten ihnen Nahrung, Nistmöglichkeiten und Unterschlupf für die Nacht. Genau wie bei den Blumen gibt es hier solche, die ökologisch wertvoll, andere die mehr oder weniger wertlos sind. Zu den letzteren gehören die immergrünen Koniferen und alle gefüllt blühenden Sträucher. Die Blüte ist sicherlich prächtiger und länger anhaltend bei diesen, vom Züchter selektierten Sorten, als bei der ursprünglichen Art, aber sie liefern weder Honig noch Pollen und bilden auch keine Früchte, von denen sich die Vögel im Herbst und Winter ernähren können. Die sehr verbreitete Forsythie, die Bauernhortensien und auch verschiedene Schneeballsorten und -arten sind andere Beispiele für sterile Selektionen. Sofern sich der Garten im geschlossenen Siedlungsraum befindet, ist sicherlich nichts gegen Pflanzen fremder Herkunft einzuwenden, sind doch viele Gehölze aus Nordamerika oder Ostasien seit langem eingebürgert. Aber man sollte sich vergewissern ob sie Früchte tragen oder nicht. Eine Liste, die insekten- und vogelfreundliche Sträucher aufweist, ist ebenfalls auf obiger Website herunter zu laden.

Nun nützt aber die schönste Weißdorn- oder Ligusterhecke nur wenig wenn sie ständig auf 1,80 Meter Höhe und 60 Zentimeter Breite geschnitten wird. Dann können sich weder Blüten und infolge dessen auch keine Früchte entwickeln. Man muss dann schon mehr Platz einplanen, zwei Meter Breite sollten es sein. Dann kann die Hecke frei wachsen, jedes zweite oder dritte Jahr wird der Neuzuwachs seitlich eingekürzt, bei starkwachsenden Gehölzen in der Höhe eventuell jährlich.

Am allerbesten für die Vögel ist jedoch ein dichtes Gebüsch aus fruchttragenden Sträuchern, 5 X 5 Meter im Minimum. Hat man selbst nicht so viel Platz, tut man sich mit dem Nachbarn zusammen. Da finden auch der Zaunkönig und das zutrauliche Rotkehlchen einen Platz zum Brüten und alle Vögel und vorher die Bienen reichlich Nahrung.

Mehrarbeit?

 

 

 

 

 

 

 

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