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Bienenwiese

 

Alle Obstbäume aus der botanischen Gattung „Prunus“, also Pflaumen, Zwetschgen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und Aprikosen, das heißt alle Steinobstarten, werden nicht in der vegetationslosen Zeit geschnitten. Sie gehören zu den Bäumen mit sogenannter „winterlicher Saftverschiebung“. Das bedeutet, dass sie schon sehr früh austreiben und ein Schnitt im Winter sie unnötig schwächen würde. Sieht man einmal von den Spezialfällen Pfirsich und Aprikose ganz ab, die in Norddeutschland ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen, hat man sich früher bei Kirschen und Pflaumen anders geholfen. Im bäuerlichen Betrieb war einfach nicht die Zeit da, im Sommer die Obstbäume zu schneiden, so dass man beim winterlichen Schnitt an diesen Pflanzenarten immer einen ca. 4 – 5 cm langen Aststummel stehen ließ, der ein Ausbluten an den Pflaumen beziehungsweise den Gummifluss an den Kirschen verhindern sollte. Der große Nachteil bei diesem Verfahren ist jedoch, dass der Baum diese Wunden dann nicht mehr selbsttätig verschließen kann und sie dauerhaft Einlasspforten für alle Arten von Krankheiten bleiben.

Beim Schnitt im Sommer kann man sauber auf Astring schneiden. Der Astring, bei unseren Obstbäumen als leichte Wulst an der Triebbasis erkennbar, darf dabei nicht verletzt werden, dann wird die Wunde schnell mit neuem Wundcallus, neuem Wundgewebe überwallt.

Der günstigste Schnittzeitpunkt liegt direkt nach der Ernte, man schneidet die Kirschen von Juli an, die Pflaumenbäume im September. Viele Süßkirschen bauen von sich aus eine relativ lichte Krone auf, oft reicht es hier alle Triebe wegzunehmen, die steil auf den Astoberseiten sitzen beziehungsweise nach innen wachsen. Bei den Sauerkirschen hat namentlich die Sorte ’Schattenmorelle’ die Eigenschaft Langtriebe auszubilden, die nach dem Fruchten kahl bleiben und auch nicht dicker werden, so dass sich nach drei bis vier Jahren lang herunterhängende Peitschen bilden. In dieses kahle Holz zu schneiden ist sinnlos, da hier kein Austrieb mehr stattfindet. Man schneidet die Peitschen komplett an einjährigen Trieben ab, die sich meist an den stärkeren Zweigen gebildet haben.

 Bei den Pflaumenbäumen bildet sich das Fruchtholz an vielen dünnen Zweigen, die nur eine begrenzte Lebenszeit haben und relativ schnell absterben. Solange noch Blätter am Baum sind, lassen sich die abgestorbenen Triebe viel einfacher erkennen und leichter entfernen. Bei jungen Pflaumenbäumen muss man darauf achten, dass der Winkel der Hauptäste zum Stamm etwa 45° beträgt. Ist er steiler besteht die Gefahr, dass der Ast später unter der Fruchtlast ausbricht.

Der Walnussbaum ist ein weiterer Vertreter der Bäume, die nur im Sommer geschnitten werden dürfen. Im Juli, August bis höchstens Mitte September liegt seine beste Schnittzeit. Man schneidet ihn nicht um die Fruchtbildung zu verbessern, da er sich seine Krone so locker aufbaut, dass ein Eingreifen nicht nötig ist. Aber störende Äste an der Dachrinne oder zu tief hängende Zweige machen manchmal den Schnitt notwendig. Zum falschen Zeitpunkt geschnitten, blutet der Walnussbaum wochenlang aus der Wunde, ohne dass man diese Blutung eindämmen könnte. Bei anderen Bäumen hilft oft allein das Auftragen von humusreicher Erde um den Saftfluss zu stoppen, oder, in hartnäckigeren Fällen, auch das Abbrennen der Schnittwunde mit der Lötlampe, um die Poren zu verschließen. Bei der Walnuss sind solche Maßnahmen vergebens, sie blutet unaufhörlich weiter.

Kann man im Sommer die Zeit erübrigen, lassen sich auch beim Kernobst, also bei Apfel- und Birnbäumen nützliche Arbeiten erledigen. Hat man beim Winterschnitt zu stark geschnitten, bilden sich an der Oberseite der Krone eine Vielzahl steil nach oben wachsender Triebe, die so genannten Wasserschosse. Diese Triebe können nicht für den Aufbau des Baumes gebraucht werden. Schneidet man sie im Winter ab, treiben aus dem verbleibenden Astring die bisher nicht aktiven „schlafenden Knospen“ aus und werden zu neuen Wasserschossen, Jahr für Jahr. Ein Kreislauf, dem man nur entkommen kann, wenn man die noch nicht verholzten Triebe im Sommer von Hand abreißt. Dann werden auch die „schlafenden Knospen“ an der Triebbasis mit entfernt. Die Wunden verheilen im Sommer sehr schnell und man hat so eine Menge an Winterarbeit eingespart. Dieser sogenannte "Sommerriss" oder „Johanniriss“ kann Mitte Juni beginnen und sollte spätestens Ende Juli abgeschlossen sein. Danach verholzen die Wasserreiser zu stark und es werden unnötig große Wunden gerissen.

Bei sehr starkwüchsigen Bäumen, kann man das Triebwachstum durch einen Sommerschnitt wirkungsvoller bremsen als durch das Schneiden im Winter, weil die Nährstoffproduktion, die über die Blätter erfolgt, durch das Auslichten reduziert wird und neue Triebe nicht mehr nachwachsen.


Durchgeführt wird der Schnitt etwa ab Mitte August. Schneidet man vorher, wird die Blütenbildung für das nächste Jahr beeinträchtigt und es besteht die Gefahr, dass unnötige Triebe nachwachsen.
Besonders an den klein bleibenden Buschbäumen und den so genannten Spindelbüschen lohnt sich der Sommerschnitt, um eine bessere Belichtung des Kroneninneren und damit eine Verbesserung der Fruchtqualität zu erreichen. Kleinere Kronen und damit leichteres Ernten sind ein weiterer Nebeneffekt.

Tragen Bäume überreich, ist ein Ausdünnen der Früchte anzuraten, das heißt man entfernt die kleineren. Normalerweise regelt das die Natur selber, im so genannten „Junifruchtfall“ entledigen sich die Bäume der Früchte, die sie nicht voll ausbilden können, von selbst. Durch zusätzliche Bewässerung und zu reiche Düngung dagegen könnte der Baum falsche Informationen empfangen haben und mehr Früchte behalten, als er tatsächlich ernähren kann. Die Folge sind dann viele kleine schlecht ausgebildete Früchte und oft auch ein Totalausfall der Ernte im nächsten Jahr. Als Faustregel gilt: Zwanzig Blätter braucht der Baum, um eine Frucht optimal zu ernähren.

Fazit: Beim Steinobst ist der Sommerschnitt ein Muss, beim Kernobst eine sinnvolle Ergänzung der winterlichen Schnittarbeiten.

 

Eberhard Parnitzke

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