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Bienenwiese

 

Die Okulation

Die Augenveredelung als sicheres Verfahren zur Vermehrung der Obstgehölze

In den Baumschulen wird die Okulation zur Vermehrung großer Stückzahlen angewandt. Sie ist schneller durchzuführen als die Kopulation und verbraucht weniger Ressourcen. Pro Veredelung ist nur ein Auge nötig, gegenüber vier bis fünf beim kopulieren. Die Unwägbarkeiten des Wetters sind im Sommer nicht so groß. Man hat zwar nur ein kleines Zeitfenster in dem die Rinde optimal löst, es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass gerade dann wochenlanger Dauerregen ein Veredeln unmöglich macht.

Nie bei Regen veredeln, es gelingt nicht!

Nasse Reiser nicht verwenden, ein nasses Messer ebenso wenig.

Und gleich noch dazu die nächste Regel:

Nur mit scharfen Werkzeugen arbeiten! Nach jeder dritten Okulation wird das Messer wieder abgezogen

Der Zeitplan für die Augenveredelung ist folgender:

Ab Mitte Juli beginnt man mit Aprikosen und Pfirsichen

Es folgen Kirschen und Pflaumen. Gleichzeitig Birnen und Äpfel auf schwachwachsenden Unterlagen.

Ab August werden Birnen und Äpfel auf Sämlinge veredelt, für die Anzucht von Halb- und Hochstämmen.

Als letztes folgen im September schwachwachsende Sauerkirschen auf Prunus mahaleb.

 

Die Okulation der Obstbäume erfolgt auf das „schlafende Auge“, das heißt, es treibt dieses Jahr nicht mehr aus, sondern erst im nächsten Frühjahr. Würde man zu früh veredeln ist der Saftdruck der Unterlage noch zu groß und die Augen ersticken. Deshalb zuerst die schwachtriebigen Unterlagen veredeln, dann die starktriebigen. (Rosen nebenbei bemerkt veredelt man auch im Frühjahr auf „treibendes Auge“.)

Nachdem das Messer gut geschärft ist….., ich werde dieses Thema auf kleinstem Raum immer wieder erwähnen, weil es den Punkt berührt, der die Hauptursache für das Misslingen der Veredelungen ist. Ein nicht optimales Schneidwerkzeug zerfranst das Kambium unnötig und erschwert das Zusammenwachsen ganz entscheidend. Nachdem das Messer gut geschärft ist, können wir an die Arbeit gehen. Zuerst wird der Raum um die Unterlage frei gemacht und das Stämmchen mit einem Tuch von Dreckspritzern und Sand befreit. Blätter unter der neuen Veredelungsstelle und unmittelbar darüber werden entfernt. Der Einschnitt wird etwa 10-15 cm über dem Boden durchgeführt und zwar als „T-Schnitt“. Erst kommt der horizontale, 1 cm lange Schnitt, dann, von der Mitte senkrecht nach unten, der vertikale, 2,5 – 3 cm lang. Mit dem Rindenlöser, hinten am Messer oder an der Ausstülpung des Messerrückens, werden nun die Rindenflügel angehoben. Hier ist äußerste Sorgfalt angesagt, um das Kambium nicht mehr als unvermeidbar zu verletzen.

Der T-Schnitt. Mit dem Rindenlöser am hinteren Ende des Messers kann man schonender arbeiten.

 Die Sommerreiser lassen sich nicht lange aufheben

Das Edelauge, auch Schild genannt

Nun schneidet man das Auge zu, nicht ohne sicher zu sein ein wirklich scharfes Messer zu haben. Der Schnitt setzt 2 cm unterhalb einer Knospe an und hört 2 cm darüber auf. Das untere Ende des Schildes ist elliptisch. Es kann zu breit sein, dann wurde zu flach geschnitten und das Verwachsen wird problematisch. Es kann auch zu schmal sein, dann ist man zu tief in den Holzkörper gekommen und das Auge wird sich wahrscheinlich nicht an die Unterlage anpassen können. Ideal ist ein Schnitt, der nur wenig in den Holzkörper eindringt und ein kleines Stück Holz am Auge belässt. Manche Baumschuler schwören darauf, sämtliches Holz aus dem Schild zu entfernen. Mit der Übung von tausenden von Veredelungen pro Jahr, ist das auch möglich. Der Ungeübte wird aber mehr Schaden anrichten wenn er sich an dieser, viel Fingerspitzengefühl erfordernden Aufgabe versucht.

Als nächster Arbeitsschritt wird das Schild in den T-Schnitt geschoben, nachdem man die Rindenflügel aufgeklappt hat. Das Auge sitzt nun in der Mitte, das überstehende Ende des Schildchens wird genau am waagerechten Einschnitt abgetrennt. Genau wie beim T-Schnitt darf man nicht in den Holzkörper schneiden.

Früher hat man mit Bast verbunden und oft genug saß dieser zu locker und brachte nicht genügend Spannung auf, schnürte ein anderes Mal zu fest ab, kostete auf jeden Fall viel Zeit, Zeit, in der bei warmem Wetter die Kambiumschicht unnötig austrocknete.

Die Okulationsschnellverschlüsse, die man heute verwendet, sind eine große Erleichterung. Sie werden über das ganze Auge gezogen, sorgen für gleichmäßigen Druck, setzen die Verdunstung herab und sind schon nach ein paar Wochen so porös, dass sie, nach dem Anwachsen der Veredelung, von allein abfallen. Der einzige Nachteil für Kleinverbraucher liegt darin, dass man sie nur im Baumschulbedarfshandel bekommt. In Packungen zu mehreren hundert Stück, die aber für einen Vorrat auf Lebenszeit nicht taugen, da sie nach einigen Jahren unbrauchbar werden, selbst bei dunkler Lagerung. Vielleicht kann da der Baumschuler aushelfen bei dem man die Unterlagen gekauft hat. Die mittlere Größe, die so genannte „40 er Größe“, ist für die meisten Wildlinge passend.

Ob die Veredelung Erfolg hatte sieht man nach 8 - 10Tagen. Fällt der Blattstiel von alleine ab, ist das Unterfangen gelungen. Löst er sich nicht, ist die Okulation vertrocknet.

Die grüne Blattnarbe zeigt den Erfolg

Zu üppige Wildlinge schneidet man gleich bei der Vorbereitung des Okulierens etwas zurück. Normal entwickelte lässt man im Frühjahr erst austreiben, bevor sie eingekürzt werden. Eine gelungene Augenveredelung kann trotz Anwachsens im Frühjahr dadurch zum Misserfolg werden, dass man die Triebe der Unterlage zu früh entfernt. Die Edelsorte erstickt dann im eigenen Saft. Kirschen sind da besonders heikel.

 

Verwachsungsprozess von Edelreis und Unterlage

 

Die Natur muss immer eine ganz besondere Aufgabe vollbringen, wenn Edelreis und Unterlage miteinander verwachsen sollen. Schließlich stammen beide von einer jeweils anderen Pflanze und es müssen nicht nur die beiden Kambien zusammenwachsen, sondern es wird auch die Nährstoffversorgung und der Wassertransport in die Zellen neu geordnet. Beim Edelreis sind durch den Okulationsschnitt nicht nur Rinde und Holzzellen zerstört worden, auch das komplexe Gebilde der Versorgungsleitungen für Wasser und Nährstoffe wurde außer Kraft gesetzt. Bei der Unterlage sind die Wasser und Nährstoffleitungen zwar noch intakt, die Verletzungen an Holz und Rinde aber genau so groß.
Ist aber der Okulationsschnitt sorgfältig ausgeführt, die Veredelungspartner zusammengefügt, fachgerecht verbunden und sorgfältig mit Wachs bestrichen, wird die Veredelung wohl gelingen.
Welche Prozesse beim Verwachsen in Gange kommen, wird im folgenden dargestellt.


  1. Untermittelbar nach den Okulationsschnitt kommt es zu einem Braunwerden der Schnittflächen von Unterlage und Edelreis. Eine Oxidation der Säfte der verletzten Zellen findet statt.
    2. Nach 4-5 Tagen ist diese Reaktion auf den Schaden, der dem Gehölz zugefügt worden ist durch das Bilden einer Isolierschicht abgeschlossen.
    3. Genauso lange dauert es bis die Unterlage mit der Zellteilung beginnt und einen Wundkallus bildet, der sich zwischen den Veredelungspartnern ausbreitet. Schon jetzt kommen die Gewebe beider Partner in Kontakt miteinander und Wasser und andere Stoffe werden über provisorische Kanäle ausgetauscht.
    4. Dieser Prozess setzt sich fort und wenn man den Wundverband straff genug angelegt hat nimmt der Druck zwischen Edelreis und Unterlage zu.
    5. Langsam, das heißt nach 15 bis 20 Tagen wird die anfänglich gebildete Isolierschicht wieder abgebaut und dem Stoffwechsel zugeführt. Aus dem Gewebe, das sich an der Unterlage gebildet hatte, werden erste Brücken aus Grundgewebe in Richtung Rindengewebe des Edelreises gebildet.
    6. Die Versorgung des Reises mit Wasser kann jetzt besser vonstatten gehen und dieses beginnt seinerseits mit der Zellteilung.
    7. Die Kambien und das Korkgewebe wachsen zusammen. Es bilden sich nun die endgültigen Transportleitungen für Wasser und Nährstoffe, zuerst im Holzteil, dann im Bastgewebe. Je nach Witterung dauert die Verwachsung etwa 30 bis 50 Tage. Bei warmem Wetter schneller als bei kaltem.

 

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